Leinefelde. Spannung und Action quasi nonstop – beim 7. Leinefelder „Lothar Kannenberg-Leuchtturmturnier“ sind in der Lunaparkhalle 228 Boxer aus acht Nationen in die beiden Ringe geklettert. Insgesamt mussten die Organisatoren 178 Kämpfe an den beiden Austragungstagen koordinieren – ein echtes Mammutprogramm. „Zum Vergleich. Bei einer Deutschen Meisterschaft gibt es knapp 100 Kämpfe in einer Woche“, erklärte Organisator und Trainer Holger Stitz.

Der war nach dem Boxwochenende ähnlich kaputt wie die Sportler, aber auch glücklich. Das lag nicht nur daran, dass der Leinefelder Ausrichterverein zehn Turniersieger stellte und sich damit den Pokal für das beste Team sicherte. Das überaus positive Feedback stimmte Stitz zufrieden: „Wir haben nur positive Reaktionen erhalten. Die ausländischen Sportler haben gesagt, so ein Turnier gibt es in ihrer Heimat gar nicht.“ Auch mit gut 400 Zuschauern konnte er gut leben, auch wenn „das Turnier mehr verdient“ gehabt hätte.

Die Besucher, die die Daumen drückten, waren von den Duellen mehr als angetan, bekamen sie doch Spitzensport zu sehen. Und daran waren die einheimischen Athleten mehr als oft beteiligt. Der Finalfight des Heiligenstädter U-15-Youngsters Vincent Vökel gegen Conan Öcal (Baden-Württemberg), den Vökel nach verlorener erster Runde nach Punkten noch zu seinen Gunsten entschied, wurde als bester Kampf der gesamten Veranstaltung ausgezeichnet. Auch der elfjährige Leon Schwarzkopf drehte bei seinem Auftritt richtig auf. Er verlor zwar das Finale, aber „das war ein Superkampf“, lobte Trainer Stitz. Auch André Conradi und U-15-Boxer Holger Schwarzkopf, laut Stitz „ein überragendes Talent“, das souverän siegte, sorgten für tosenden Applaus.

Ordentlich einstecken musste Lukas Wiechmann, der es in der U-19-Klasse bis 81 Kilogramm mit Mohamed Moustapha zu tun bekam, der sich nach starker erster Runde doch eine blutige Nase holte und schließlich eine Verwarnung kassierte, weil er ohne Mundschutz weiter boxte. „Das müssen wir Trainer uns ankreiden“, gab Stitz zu.

Angelo Schenk musste im Finale der Männer bis 81 Kilogramm im Schlussabschnitt einem harten Treffer in der ersten Runde Tribut zollen. „Auf einmal ging es von 100 auf 0, die Akkus waren leer“, berichtete Stitz. Sein Gegner gewann knapp nach Punkten.

Europameisterschafts-Medaillengewinnerin Emily Perthold bekam es mit der Juniorinnen-Europameisterin aus Lettland zu tun, kämpfte konzentriert und taktisch klug. Lohn war der einstimmige Erfolg nach Punkten. Die deutsche Frauenmeisterin Kristin Ungefroren traf im Finale der 81-Kilogramm-Klasse auf die Schweizerin Cynthia Glauser, die laut Stitz „sehr ungestüm und unsauber“ zu Werke ging. So konnte sich kein schöner Kampf entwickeln. Am Ende lag Ungefroren nach Zählern vorne. „Da bestätigt sich die gute Arbeit“, freute sich der Coach.

Gespannt darf man künftig auf Senad Drini sein. Der 17-jährige Albaner der sich in der U-19-Konkurrenz bis 52 Kilogramm gegen seinen Kontrahenten Lukoki (Köln) durchsetzte, könnte mal ein ganz Großer in der Szene werden. „Der boxt wie vom anderen Stern“, versichert Stitz. „Ihm traue ich zu, dass er mal für Deutschland bei den Olympischen Spielen eine wichtige Rolle spielen wird.“

Christian Roeben